Duft im Alltag: Wann wird er für andere zum Problem?

Duft im Alltag: Wann wird er für andere zum Problem?

Es gibt Menschen, die einen Ort nicht betreten, weil sie wissen, wie es dort riecht. 22,7 Prozent haben schon einmal darauf verzichtet, irgendwohin zu gehen, weil sie dort parfümierten Produkten ausgesetzt gewesen wären. Fast jeder Vierte. Und keiner von ihnen sagt jemals, warum.

Leicht genug für enge Räume

SŌLA ist ein Fragrance Mist: geringer konzentriert als ein Eau de Parfum, dafür jederzeit nachlegbar. 120 ml, passt in jede Tasche, für Haut, Haar und Kleidung.

Ō
Ō-19 · Sicilian Citrus

Zitrus, klar, kühl. Der leichteste der drei.

Ō
Ō-32 · Portofino Grapefruit

Rosa Grapefruit mit trockener Kante. Wach, ohne süß zu werden.

Ō
Ō-03 · Amalfi Nectar

Warmer Fruchtmix, ambriger Abgang. Der erwachsenste der drei.

49,98 €

Drei Flaschen, eine davon geschenkt. Versandkostenfrei. 30 Tage Geld zurück, auch geöffnet und benutzt.

Zu den Düften

Die Zahlen zur Vermeidung

Die Erhebung von Anne Steinemann aus dem Jahr 2019 fragt nicht nur nach Symptomen, sondern nach Verhalten: Was tun Menschen tatsächlich, wenn sie auf parfümierte Produkte reagieren? Diese Antworten sind der eigentlich interessante Teil.

Vermeidungsverhalten, vier Länder
Sind irgendwohin nicht gegangen wegen Duftexposition
22,7 %
Wollen ein Geschäft sofort wieder verlassen
17,0 %
Waschen sich mit parfümierter Seife nicht die Hände
10,4 %
Berichten insgesamt körperliche Beschwerden
32,2 %

Steinemann A.: International prevalence of fragrance sensitivity. Air Quality, Atmosphere & Health, 2019. Befragungen in USA, Australien, Großbritannien und Schweden, n ≈ 4.400. link.springer.com

Wichtig für die Einordnung: keine deutschen Daten. Vier andere Länder, vergleichbare westliche Alltagskulturen. Die Größenordnung ist aussagekräftig, die exakte Prozentzahl für Deutschland kennt niemand.

22,7 %

sind schon einmal irgendwohin nicht gegangen, weil sie wussten, dass sie dort Duftstoffen ausgesetzt sein würden.

Warum du es nie erfährst

Das eigentlich Bittere an diesen Zahlen ist nicht ihre Höhe. Es ist ihre Unsichtbarkeit.

Niemand schreibt dir: „Ich komme nicht, dein Parfum ist mir zu viel." Die Absage lautet, man habe schon was vor. Auf der Feier steht jemand ein Stück weiter weg. Im Meeting geht das Fenster auf, weil es angeblich warm ist. Jemand verabschiedet sich früher als gedacht.

Du bekommst immer nur das Ergebnis. Nie den Grund.

Und dazu kommt das Problem, das alles verkompliziert: Du kannst dich selbst nicht überprüfen. Nach etwa zwanzig Minuten nimmt niemand seinen eigenen Duft noch bewusst wahr — die Rezeptoren adaptieren, das Gehirn filtert das gleichbleibende Signal heraus. Warum das so ist, steht in Warum rieche ich mein eigenes Parfum nicht mehr?

Zwei unsichtbare Dinge treffen also aufeinander: Die eine Seite sagt nichts, die andere Seite merkt nichts. Deshalb korrigiert sich das nie von allein.

Wo Rücksicht anfängt und Schuld aufhört

Ein Punkt, der uns wichtig ist, damit dieser Text nicht in die falsche Richtung kippt: Niemand, der gern Parfum trägt, tut etwas Verwerfliches.

Duft ist ein legitimes Vergnügen. Wer sich morgens etwas aufträgt, das er mag, hat keine Rücksichtslosigkeit begangen. Der Punkt ist ein anderer und viel schlichter: Duft ist das einzige Kosmetikprodukt, das andere Menschen mitkonsumieren müssen. Deine Frisur muss niemand einatmen, deine Creme auch nicht. Dein Duft schon, wenn ihr euch einen Raum teilt.

Daraus folgt keine Verzichtsforderung, sondern eine Mengenfrage. Und die Regel dafür ist einfach:

Dein Duft gehört in eine Umarmung, nicht in einen Raum.

Wenn jemand ihn wahrnimmt, ohne dir nahezukommen, ist es zu viel. Das sagt nichts über deinen Geschmack aus. Es ist eine Aussage über Entfernung.

Vier Situationen, in denen weniger sinnvoll ist

Geschlossene Räume ohne Lüftung

Aufzug, Meetingraum, Auto, Kinosaal. Hier bleibt alles in der Luft, was du mitbringst, und niemand kann ausweichen. 17 Prozent verlassen ein Geschäft schneller, wenn sie dort Duftstoffe wahrnehmen — in einem Aufzug ist Verlassen keine Option.

Öffentliche Verkehrsmittel zur Stoßzeit

Der Abstand zum Nachbarn beträgt manchmal zwanzig Zentimeter, und die Fahrt dauert, so lange sie dauert.

Arztpraxen, Kliniken, Pflege

Hier ist die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, auf Menschen zu treffen, die ohnehin belastet sind. Details zum Arbeitsplatz stehen in Wie viel Parfum ist im Büro okay?

Essen und enge Tischgesellschaften

Geschmack läuft zu einem großen Teil über den Geruchssinn. Ein starker Duft am Tisch verändert für alle anderen, wie das Essen schmeckt.

Für alle vier gilt dasselbe praktische Vorgehen: weniger auftragen, nicht an warme Stellen wie Hals oder Dekolleté sprühen, und wenn du nachlegen willst, kurz nach draußen gehen statt im Raum zu sprühen.

Wenn du selbst betroffen bist

Falls du auf der anderen Seite stehst — also zu den rund 32 Prozent gehörst, die auf parfümierte Produkte körperlich reagieren — gibt es zwei Dinge, die vielleicht hilfreich sind.

Erstens: Es ist keine Überempfindlichkeit im Sinne einer Charaktereigenschaft. Bei Kopfschmerzen und Migräne gibt es dafür eine anatomische Erklärung, die wir in Warum bekomme ich von Parfum Kopfschmerzen? ausführlich beschreiben.

Zweitens: Die Person gegenüber weiß es fast sicher nicht. Nicht aus Ignoranz, sondern weil sie sich selbst nicht riecht. Wenn du es ansprechen möchtest, ist der Weg über die eigene Reaktion meist der leichteste — „Ich reagiere ziemlich empfindlich auf Duft" ist einfacher zu hören als „Du riechst zu stark".

Häufige Fragen

Wie viele Menschen meiden Orte wegen parfümierter Produkte?

In einer Erhebung über vier Länder (USA, Australien, Großbritannien, Schweden, n ≈ 4.400) gaben 22,7 Prozent an, schon einmal darauf verzichtet zu haben, irgendwohin zu gehen, weil sie dort parfümierten Produkten ausgesetzt gewesen wären. 17 Prozent wollen ein Geschäft sofort wieder verlassen, wenn sie dort Duftstoffe wahrnehmen. Quelle: Steinemann, Air Quality Atmosphere & Health, 2019.

Warum sagt mir niemand, dass mein Parfum zu stark ist?

Weil es als sehr persönliche Kritik empfunden wird und deshalb kaum jemand ausspricht. Stattdessen wird ausgewichen: mehr Abstand, ein geöffnetes Fenster, ein früherer Aufbruch, eine Absage mit anderer Begründung. Man bekommt also nur das Ergebnis mit, nie den Grund.

Woran erkenne ich, dass ich zu viel Duft trage?

Am eigenen Empfinden nicht — nach etwa zwanzig Minuten nimmt niemand seinen eigenen Duft noch bewusst wahr. Verlässlich ist nur, eine Person zu fragen, der du vertraust. Als Faustregel gilt: Wenn jemand deinen Duft wahrnimmt, ohne dir nahezukommen, ist es zu viel.

In welchen Situationen sollte man weniger Duft tragen?

Vor allem in geschlossenen Räumen ohne Lüftung (Aufzug, Meetingraum, Auto), in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Stoßzeit, in Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen sowie bei Tischgesellschaften — Geschmack läuft zu großen Teilen über den Geruchssinn.

Ist Duftempfindlichkeit eine anerkannte Erkrankung?

„Duftempfindlichkeit" beschreibt in der zitierten Forschung negative gesundheitliche Auswirkungen nach Kontakt mit parfümierten Produkten. Die berichteten Beschwerden reichen von Atemwegs- und Schleimhautreizungen über Migränekopfschmerzen bis zu Hautreaktionen. Wie das im Einzelfall einzuordnen ist, gehört in ärztliche Abklärung und lässt sich nicht pauschal beantworten.

Muss ich als duftempfindliche Person einfach damit leben?

In der zitierten Erhebung berichten 9,5 Prozent der Befragten Beschwerden, die so stark sind, dass sie als beeinträchtigend gelten, und 9 Prozent haben deswegen im Vorjahr Arbeitstage oder einen Job verloren. Das ist keine Kleinigkeit. Ob und wie sich das im Arbeits- oder Wohnumfeld regeln lässt, hängt vom Einzelfall ab — für die gesundheitliche Seite ist ärztlicher Rat der richtige Weg.

Zurück zum Blog